
25. Februar bis 18. März 2026
Erstellung einer kollaborativen Zeitung
Lausanne - Bibliothèque Chauderon
Ville de Lausanne – Bibliothèque Chauderon – MagTuner
2026 – Erstellung einer kollaborativen Zeitung in der Bibliothek Chauderon

Diese Zeitung ist das Ergebnis von Schreibworkshops, die von Thomas Zoller mit Jugendlichen durchgeführt wurden, die in den Bibliotheken eingeschrieben waren — oder auch nicht. Sie wurden ins Leben gerufen, um einen Raum für Ausdruck, Kreativität und Austausch rund um die Ideen und Sichtweisen der Jugendlichen auf die Welt um sie herum zu schaffen.
Die Teilnehmenden kannten sich nicht unbedingt: Sie kommen aus verschiedenen Quartieren der Stadt, teilweise auch aus nahegelegenen Gemeinden. Das Projekt ermöglichte ihnen, sich zu begegnen und in einer begleiteten Gruppe, aber dennoch mit viel Eigenständigkeit, an der Erstellung einer gemeinsamen Zeitung zu arbeiten.
Durch Schreiben, Fotografie und Layout entdecken die Jugendlichen den Entstehungsprozess einer Publikation. Sie erproben Zusammenarbeit, entwickeln ihren analytischen Blick und lernen, ihre Standpunkte hörbar zu machen. Mehr als das Ergebnis stand für uns der Prozess im Mittelpunkt.
Dieses Projekt steht im Einklang mit dem Auftrag öffentlicher Bibliotheken, kulturelle Teilhabe zu fördern und die Entwicklung kritischen Denkens zu unterstützen. Es knüpft auch an die vertieften Überlegungen der Bibliotheken der Stadt Lausanne zu den Themen der Agenda 2030 der UNO an, die 2025 und 2026 in unseren Vermittlungsangeboten aufgegriffen wurden.
Die veröffentlichten Inhalte spiegeln die Beiträge, Fragen und Vorstellungswelten der Teilnehmenden getreu wider.
Impressum
Die Redaktion
Alice, künstlerische Leiterin – Arthur, Journalist – Clémence, Journalistin – Hayet, Editionsleiterin – Héloïse, Chefredakteurin – Irene, Journalistin – Juliette, Chefredakteurin – Lía, Journalist – Maya, Journalistinin – Mondo, Journalist – Noan, Journalist – Nolan, Journalist – Raphaël , Journalist– Ruben, stellvertretender Chefredakteur – Tyméa, Journalistin – Yuna, Journalistin.
Das Bibliotheksteam
Coralie – Fanny – Jean-Jacques – Julie – Marylène.
Das MagTuner-Team
Alex – Anna – Pierre – Thomas.
Covergestaltung: Lily Caldwell
Coverfotografie: Mathilde Imesch – Stadt Lausanne


Die Jury (v. l. n. r.): Sarah Clément, Kulturjournalistin, Kolumnistin für die Sendung « Vertigo » — Spezialsendung New Romance — und literarische Interviews für den Podcast « Qwertz »; Julie Bosquet, Bibliothekarin; Raphaël Jotterand, Journalist bei Le Temps und Gewinner des Preises für den besten jungen Journalisten 2023–2024; Michel Eymann, ehemaliger RSR-Journalist im Ruhestand; und Marylène Chevalley, Beauftragte für Kulturvermittlung der Stadt Lausanne.
An der Fernabstimmung nahmen die Bibliothekarinnen und Bibliothekare Coralie Chatelan, Fanny Barras und Jean-Jacques Charrière teil.
Le Mille – eine Herausforderung von grosser Tragweite
Eintauchen in die Welt der Informationsproduktion
Mit sechzehn Jugendlichen in nur vier Sitzungen à zwei Stunden eine zwölfseitige Zeitung zu erstellen, war bereits eine grosse Herausforderung. Doch das Projekt wollte mehr: Die Teilnehmenden sollten nicht nur Inhalte schreiben, sondern verstehen, wie ein Medium entsteht.
Themen finden, Interviews führen, Artikel strukturieren, Informationen prüfen und Fristen einhalten – all das hätte bereits ein eigenes Projekt gefüllt. Trotzdem wurde entschieden, weiterzugehen.
Eine Zeitung entwerfen
Bereits in den ersten Sitzungen wurden die Teilnehmenden in die Rolle echter Mediengründerinnen und Mediengründer versetzt. Gemeinsam überlegten sie, welche Art von Zeitung sie schaffen wollten.
Ihre Wahl fiel auf eine Wochenzeitung, die in der lokalen Aktualität verankert ist und zugleich offen bleibt für nationale und internationale Themen. Sie definierten eine Leserschaft, die zu 70 % aus Jugendlichen und zu 30 % aus Erwachsenen besteht, sowie eine redaktionelle Linie von allgemeinem Interesse. Der Ton sollte ernst sein, ohne streng zu wirken, präzise und zugleich zugänglich und entspannt. Anschliessend wurden die verschiedenen Rubriken entwickelt, diskutiert und gemeinsam validiert.
Der Zeitung eine Identität geben
In der zweiten Sitzung stiess eine junge Grafikerin in Ausbildung zum Projekt, um einen echten Auftrag für die Titelseite der Zeitung zu erhalten. Die Teilnehmenden mussten ihr ihre Vision, ihre Positionierung und ihre grafischen Erwartungen erklären.
Diese Übung machte deutlich, dass jede visuelle Entscheidung bestimmten redaktionellen Zielen dient und dass eine Titelseite weit mehr ist als eine einfache grafische Gestaltung: Sie ist die erste Begegnung zwischen der Zeitung und ihren Leserinnen und Lesern.
Die Jugendlichen entschieden ausserdem, dass das Titelbild von der Fotografin der Stadt Lausanne aufgenommen werden sollte. Sie formulierten für sie einen fotografischen Auftrag, damit das gewählte Bild die Identität und die Werte der Zeitung widerspiegelt, die sie gemeinsam entworfen hatten.
Der Abschluss eines schönen Abenteuers
Um diesen Erfolg zu würdigen, verlieh eine Jury, bestehend aus drei professionellen Journalistinnen und Journalisten sowie den Bezugspersonen der Bibliotheken, einen Preis für den besten Artikel und einen Preis für die beste Fotografie. Auch die Mitglieder des Begleitteams, die bei den Abstimmungen nicht anwesend waren, konnten sich aus der Ferne an den Entscheidungen beteiligen. Ihre Stimmen wurden per E-Mail gesammelt, sodass alle trotz terminlicher Einschränkungen zu den gemeinsamen Entscheidungen beitragen konnten.
Einige Tage später ging die Zeitung in den Druck. In einer Auflage von 750 Exemplaren gedruckt, wurde sie in der Bibliothek Chaudron vor den jungen Journalistinnen und Journalisten, ihren Familien, den Projektpartnern und den Teams der Bibliotheken feierlich präsentiert.
Diese Feier ermöglichte es, nicht nur das Endergebnis zu würdigen, sondern auch den gesamten zurückgelegten Weg.
Eine einzigartige Erfahrung.
Über die 12 gedruckten Seiten hinaus bot dieses Projekt den Teilnehmenden eine seltene Erfahrung: den gesamten Entstehungsprozess einer Zeitung zu entdecken.
Sie lernten nicht nur, Artikel zu schreiben. Sie lernten, über eine Leserschaft nachzudenken, eine redaktionelle Linie zu entwickeln, eine Redaktion zu organisieren, mit einer Grafikerin und einer Fotografin zusammenzuarbeiten, Inhalte in Auftrag zu geben, zu diskutieren, abzustimmen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsame Entscheidungen zu treffen.
Ambitioniert? Ganz sicher.
Ein bisschen verrückt? Vermutlich.
Vor allem aber zutiefst lehrreich.
Während vier Wochen spielten diese sechzehn Jugendlichen nicht einfach Journalistinnen und Journalisten. Sie erlebten eine echte Redaktionserfahrung und entdeckten von innen, wie Information entsteht. Ein menschliches, kollektives und pädagogisches Abenteuer, das denjenigen, die daran teilgenommen haben, noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Eine Redaktion wie bei den Grossen
Nachdem die Grundlagen der Zeitung gelegt waren, musste die Redaktion aufgebaut werden. Nach einer Abstimmung wurden Héloïse und Juliette zu Chefredakteurinnen gewählt. Anschliessend stellten sie ihr Leitungsteam zusammen: Ruben als stellvertretender Chefredakteur, Hayet als Editionsleiterin und Alice als künstlerische Leiterin.
Auch jede Rubrik bestimmte eine verantwortliche Person, die ihr Team bei den redaktionellen Diskussionen vertrat.
Diese Organisation ermöglichte es den Jugendlichen, die konkrete Funktionsweise einer Redaktion kennenzulernen, aber auch Begriffe wie Verantwortung, Zusammenarbeit und gemeinsame Entscheidungsfindung, die mit der Produktion von Information verbunden sind, praktisch zu erfahren.
Ein bemerkenswertes Engagement
Im Laufe der Wochen nahmen die Artikel Gestalt an, Interviews wurden geführt, Fotografien ausgewählt und die Seiten nach und nach gefüllt.
Je näher der Abgabetermin rückte, desto stärker wurde das Engagement der Jugendlichen ebenso wie jenes der Bezugspersonen aus den Bibliotheken. Am letzten Wochenende vor dem Redaktionsschluss arbeiteten mehrere Teilnehmende sogar von zu Hause aus weiter, um ihre Texte fertigzustellen und die Fristen einzuhalten, die sie sich selbst gesetzt hatten.
Anschliessend stimmten die Jugendlichen über das endgültige Design der Titelseite ab — per Videokonferenz mit Lily Caldwell, die uns zwei im Auftrag gestaltete Varianten vorgeschlagen hatte —, validierten die letzten redaktionellen Entscheidungen und reichten ihre Artikel ein.
Das Team der Bibliotheken griff danach nur noch für die orthografischen und grammatikalischen Korrekturen ein, die für den Druck notwendig waren, und achtete dabei darauf, die Inhalte, den Stil und die redaktionellen Entscheidungen der Autorinnen und Autoren vollständig zu bewahren.
Das vielleicht etwas verrückte Wagnis bestand darin, den Teilnehmenden nicht nur die praktischen Werkzeuge des Journalismus zu vermitteln, sondern auch die theoretischen Grundlagen, die es einem Medium ermöglichen, überhaupt zu existieren. Es ging nicht einfach darum, Inhalte zu produzieren, sondern alles zu entdecken, was dem Schreiben vorausgeht: die Identität einer Zeitung, ihre Leserschaft, ihre redaktionelle Linie, ihren Tonfall, ihre Organisation und ihre Verantwortlichkeiten zu definieren. Diese pädagogische Dimension bildete das Herz des Projekts. Sie verlangte ein grosses Engagement, war aber unerlässlich, um den Jugendlichen eine vollständige Erfahrung zu ermöglichen. Denn erst durch die Verbindung von Theorie und Praxis lässt sich wirklich verstehen, wie ein Medium funktioniert und welche Rolle es in der Gesellschaft spielt.
Preis für den besten Artikel

Mit ihrem Beitrag Das Wetter der Welt gewann Juliette den Preis für den originellsten und spielerischsten Artikel.
Ihre Idee? Die internationale Aktualität in Form eines Wetterberichts zu präsentieren, indem sie jedem Kontinent eine ungewöhnliche oder überraschende Nachricht zuordnete.
Dank eines kreativen Layouts und eines leichten Tons gelang es ihr, die Leserinnen und Leser an die vier Ecken der Welt reisen zu lassen und sie zugleich zu informieren. Eine originelle Art, Aktualität zu entdecken, die die Jury und die Leserschaft überzeugte.
Bravo an Juliette für ihre Vorstellungskraft und ihren Sinn für journalistische Innovation!
Der grosse Fotowettbewerb



Da die Jugendlichen nicht über die nötige Zeit verfügten, um Illustrationen für ihre Artikel zu erstellen, entschieden wir uns, der Fotografie eine Doppelseite zu widmen.
Mit seiner wunderschönen Aufnahme eines Sonnenuntergangs am Cable Beach in Australien gewann Arthur den Preis für die beste Fotografie dieser ersten Ausgabe. Sein Bild überzeugte die Abstimmenden sofort durch seine leuchtenden Farben, seine friedliche Atmosphäre und die Schönheit der eingefangenen Landschaft.
Dieses Foto lädt zum Reisen und zum Innehalten ein. Es zeugt auch von Arthurs aufmerksamem Blick, der fähig ist, einen einzigartigen Moment festzuhalten und ihn mit den Leserinnen und Lesern zu teilen.
Herzlichen Glückwunsch an Arthur zu dieser schönen Auszeichnung und zu dieser visuellen Reise bis an die australischen Strände.
Le Mille (Die Tausend)
Dieser Name wurde einstimmig gewählt und verweist auf die Postleitzahlen der Stadt Lausanne, die alle mit «1000» beginnen. Die Jugendlichen aus verschiedenen Quartieren der Stadt wählten ihn, um sowohl die lokale Verankerung der Zeitung als auch die Vielfalt derjenigen zu betonen, die sie zum Leben erwecken. Mit diesem Titel wollten sie daran erinnern, dass sie trotz ihrer unterschiedlichen Wege und Horizonte ein gemeinsames Abenteuer teilen.
Le Mille symbolisiert somit das, was sie zusammenbringt, verbindet und um ein gemeinsames Projekt vereint.



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